Das Gute- KiTa-Gesetz

„Immer auf die Kleinen“

Am 20. November wurde der letzte Bund-Länder-Vertrag zum Gute-KiTa-Gesetz geschlossen. Damit kann die Auszahlung der 5,5 Milliarden Euro aus dem Gesetz an die Länder beginnen.

Ein Beitrag zum Gute- KiTa-Gesetz der stellvertretenden Bundesvorsitzenden der KEG Gerlinde Kohl

Ein Gesetz, welches die Qualität in Deutschlands Kindertageseinrichtungen einheitlich und verbindlich festschreibt, war einst vorgesehen. Es ging letztlich um gleichwertige Lebensverhältnisse für die Kinder in allen deutschen Kitas.

Herausgekommen ist etwas anderes. Eine Art „Instrumentenkasten“, so kann man es in der aktuellen Presseerklärung des Bundesministeriums für Familien, Senioren, Frauen und Jugend lesen. Am 20. November wurde der letzte Bund-Länder-Vertrag zum Gute-KiTa-Gesetz geschlossen. Damit kann die Auszahlung der 5,5 Milliarden Euro aus dem Gesetz an die Länder beginnen. In jedem Bundesland gibt es nun einen anderen Schwerpunkt der Förderung, den die Länder aus besagtem „Kasten“ wählen konnten.

Die Fachwelt würdigt das Bemühen, macht aber deutlich, dass dieses Gesetz weit hinter den Erfordernissen zurückbleibt. Richtig ist das Zitat von Ministerin Giffey: „Frühkindliche Bildung ist eine nationale Zukunftsaufgabe (…).“ Das Gesetz ist in diesem Sinne bestenfalls ein gut gemeinter Anfang. Die Bundesländer, die Kommunen sind wie der Bund in der Ausgestaltung der Kitas gefragt, darauf kann der Bund verweisen. Das ist richtig, hilft aber nicht, denn die Themen und Aufgaben überfordern die Verantwortlichen auf der kommunalen Alltagsebene der Kitas. Eine nachhaltige Umsetzung des Gute-KiTa-Gesetzes kann nur gelingen, wenn der Bund die notwendigen Gelder über das Jahr 2022 hinaus dauerhaft für die begonnenen Maßnahmen zur Verfügung stellt. Denn die jetzigen Mittel sind nur bis 2022 bemessen.

In einer überregionalen deutschen Zeitung konnte man kürzlich die Überschrift lesen: „Immer auf die Kleinen.“ Und die Verfasser haben unter dieser Überschrift alle Baustellen der Kita-Themen zusammengefasst und das Dilemma, in dem Eltern und Erziehungsfachkräfte in der gemeinsamen Verantwortung für die Kinder stecken, ausgebreitet. 

·         Das Versprechen an die Eltern: Gefeiert wurde 2007, dass ein Rechtsanspruch für alle Altersgruppen auf den Weg gebracht wurde, gefeiert wurde ein Fortschritt für Familien, für Eltern, die Erwerbsarbeit und Kindererziehung in Einklang bringen wollen. Und die Kinder in den Einrichtungen sollten durch die Bildungseinrichtung kompetent und sozial fit werden. Und dieses Versprechen ist nun nicht zu halten. Angesagt ist, dass die Politik die Begrenzung der Möglichkeiten offen mit den Eltern thematisiert.

·         Der Ausbau geht weiter: Es sollten 500.000 neue Plätze geschaffen werden. Bei diesem Ausbau kam jedoch das Thema Qualität unter die Räder. Das wurde auch 2014 in einem Spitzentreffen der Regierungschefs der Länder erkannt und die Forderung nach bundesweiten guten Standards aufgestellt. Mittlerweile gibt es jedoch ein nicht kalkuliertes, übersehenes Problem. Der Fachkräftemangel durchkreuzt die Situation. Die Branche der Kindertagesbetreuung ist enorm gewachsen. Neben den derzeit ca. 700.000 Beschäftigten berechnen die Statistiker, dass bis 2025 weiter 300.000 Fachkräfte für die Kitas benötigt werden. Und diese sollen gebildet, liebevoll und feinfühlig sein. Was lernen wir? Politik muss mehrdimensional denken und entsprechend entscheiden. Eine gute Kita ohne gute Erziehungsfachkräftefunktioniert eben nicht. 

·         Ausbildung in Schnellverfahren: Die aktuellen Bemühungen, mittels Schnellverfahren zu mehr Erziehungsfachkräften zu kommen, wird durch die bundesweit agierende Arbeitsgemeinschaft der Kinder- und Jugendhilfe (AGJ) von einem Zwischenruf begleitet. Geplant ist die Einführung einer beruflichen Erstqualifizierung auf dem Level 4 des Deutschen Qualitätsrahmens (DQR), die ausschließlich zu einer Tätigkeit als Fachkraft in Kindertageseinrichtungen befähigt und keine Durchlässigkeit zu höheren Qualifikationsstufen vorsieht. Die AGJ hat in den vergangenen Jahren mehrfach eingefordert, im Zuge des gestiegenen Fachkräftebedarfs die Grundsätze und Standards für Ausbildung und Studium in der Kinder- und Jugendhilfe auf dem Level 6 beizubehalten und eine Absenkung des Qualifikationsniveaus zu vermeiden. 

·         Was Kindern in der Kita passiert: Aufmerksamkeit erregte ein Buch mit dem Titel „Seelenprügel“, Diese Buch enthalte Berichte von Erziehungsfachkräften und Eltern und soll aufrütteln. Experten äußern sich in der Weise zu „Seelenprügel“, dass sie bekunden, die Situation in Kitas sei von großartig bis durchaus bedenkenswert zu beurteilen. Und sie sagen, wenn Kinder mangels qualifizierter Betreuung schlecht versorgt und ihre Bedürfnisse nicht erkannt werden, entsteht Stress, der sich nachhaltig negativ auf die Gesundheit und das Lernen auswirkt. Daher wird z. B. von erziehungswissenschaftlicher Seite empfohlen, dass eine Erziehungsfachkraft in der Kita nicht mehr als drei Kinder unter drei Jahren betreuen soll. 

Das Gute-KiTa-Gesetz ist Anlass und Aufforderung sich die Entwicklung der Kitas in Deutschland genauer anzusehen und die nationale Aufgabe der qualitativ hochwertigen Ausgestaltung ernster als bislang zu verfolgen. Die KEG hat alle kritischen Themen auf der letzten Bundesvorstandssitzung angesprochen. Ein Tenor war, dass wir im Sinne der Kinder mahnen müssen, damit bei Entscheidungen das Wünschenswerte nicht mit dem Machbaren verwechselt wird.

 

 

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