Zurück zur Liste
30.04.2026

Ökonomische Bildung

Ökonomische Bildung gewinnt im Bildungsbereich stetig an Bedeutung – sowohl im Kontext gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Veränderungen als auch hinsichtlich der frühzeitigen Entwicklung von Verantwortungsbewusstsein und Urteilsvermögen bei Kindern und Jugendlichen. Aus diesem Anlass zeigt die Bundesvorsitzende der KEG, Gerlinde Kohl, Interesse an der Arbeit des Bündnisses Ökonomische Bildung (BÖB). 

„Ökonomische Bildung öffnet jungen Menschen Türen für ein selbstbestimmtes Leben“

In dem folgenden Interview erörtert sie gemeinsam mit der Vorsitzenden des Bündnisses, Verena von Hugo, zentrale Aspekte und Zielsetzungen. 

Gerlinde Kohl fragt, sie ist Bundesvorsitzende der KEG Deutschlands, des Berufsverbandes für Lehrkräfte und Pädagogen
Verena von Hugo antwortet, sie ist Vorstandsvorsitzende des Bündnis Ökonomische Bildung

Frage: Das Bündnis Ökonomische Bildung Deutschland – kurz BÖB – ist noch nicht allen bekannt. Was verfolgt das Bündnis?
Antwort: Das Bündnis Ökonomische Bildung Deutschland setzt sich dafür ein, dass alle Schülerinnen und Schüler in Deutschland eine fundierte, zeitgemäße und verpflichtende ökonomische Bildung erhalten. Unser Ziel ist es, jungen Menschen Kompetenzen zu vermitteln, die sie befähigen, wirtschaftliche Zusammenhänge zu verstehen, reflektierte Entscheidungen zu treffen und verantwortungsvoll am gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben teilzunehmen. Dabei agieren wir als Netzwerk von Netzwerken: Lehrkräfte, Wissenschaft, Verbände, Stiftungen und Akteure aus Wirtschaft und Gesellschaft arbeiten bei uns zusammen.

Frage: Warum ist ökonomische Bildung heute so wichtig?
Antwort: Ökonomische Fragen begegnen uns täglich – beim Konsum, im Umgang mit Geld, bei der Berufswahl, in politischen Debatten oder bei Fragen der sozialen Sicherung. Junge Menschen wachsen in einer komplexen Welt auf, die von wirtschaftlichen Entscheidungen geprägt ist. Ohne grundlegende ökonomische Bildung bleibt vieles unverständlich oder wird unkritisch übernommen. Ökonomische Bildung schafft Orientierungswissen, stärkt Urteilsfähigkeit und ermöglicht Teilhabe an demokratischen Entscheidungsprozessen. Aktuell hängt es noch stark vom Zufall ab, ob junge Menschen Wirtschafts- und Finanzkompetenzen bis zum Schulabschluss erwerben – vom Zufall des Elternhauses, der Schule und der Lehrkraft. Ökonomische Bildung fest verankert trägt daher zu mehr Chancengerechtigkeit bei. 

Frage: Was verstehen Sie konkret unter „ökonomischer Bildung“?
Antwort: Ökonomische Bildung bedeutet weit mehr als das Lernen einzelner wirtschaftlicher Begriffe. Sie umfasst das Verständnis zentraler wirtschaftlicher Zusammenhänge – etwa von Angebot und Nachfrage, Arbeit und Einkommen, Markt und Staat, Unternehmen und Verbrauchern. Zugleich geht es um finanzielle Bildung, also den kompetenten Umgang mit Geld, Verträgen und Risiken. Wichtig ist uns dabei ein lebensweltlicher Zugang: Schülerinnen und Schüler sollen lernen, wirtschaftliche Fragen aus ihrer eigenen Perspektive zu reflektieren und unterschiedliche Interessen, Werte und Zielkonflikte zu erkennen.

Frage: Kritiker sehen manchmal die Gefahr einseitiger wirtschaftlicher Interessen. Wie begegnet das BÖB solchen Bedenken?
Antwort: Diese Sorge nehmen wir sehr ernst. Unsere Arbeit basiert klar auf den Leitlinien einer verantwortungsvollen Bildung in der Sozialen Marktwirtschaft. Ökonomische Bildung muss objektiv, plural und ethisch fundiert vermittelt werden, der Beutelsbacher Konsens ist Maßstab für die politische sowie für die ökonomische Bildung. Sie ist keine Interessenvertretung einzelner Akteure, sondern orientiert sich am Bildungsauftrag der Schule. Das bedeutet: verschiedene Perspektiven darstellen, Zielkonflikte benennen und eigenständiges Denken fördern. Genau dafür setzen wir uns ein. 
Frage: Welche Rolle spielen Lehrkräfte in diesem Zusammenhang?
Antwort: Lehrkräfte sind ein Schlüssel für gute ökonomische Bildung. Deshalb ist ein zentrales Anliegen des BÖB die fachwissenschaftliche und fachdidaktische Qualifizierung von Wirtschaftslehrkräften. Nur wer selbst über solides wirtschaftliches Fachwissen und didaktische Kompetenz verfügt, kann komplexe Inhalte verständlich, altersgerecht und ausgewogen vermitteln. Wir machen uns daher für entsprechende Studienangebote, Fortbildungen und klare Standards stark.

Frage: Sie fordern keine Einführung eines eigenständigen Schulfachs Wirtschaft. Warum?
Antwort: Aufgrund des föderalen Bildungssystems in Deutschland gibt es sehr unterschiedliche Lösungen in den Bundesländern. Uns geht es nicht um die formale Frage eines bestimmten Faches, sondern um die verbindliche und ausreichende Verankerung ökonomischer Bildung für alle Schülerinnen und Schüler. Ob dies in einem eigenständigen Fach oder in Kombinationsfächern geschieht, ist Sache der Länder – entscheidend ist die Qualität und Verbindlichkeit. Bei Integrationsfächern mit drei Fächeranliegen, wie z. B. Sozialwissenschaften mit Politik, Soziologie und Wirtschaft, fällt meist eins „hinten runter“, i.d.R. ist das Wirtschaft - das zeigt die OeBiX-Schwerpunktstudie Lehrpläne und Hochschul-Curricula. Auch funktioniert die ökonomische Bildung nicht als Querschnittsaufgabe von Schule - Französisch und Physik werden auch nicht im Querschnitt unterrichtet. Das am Rande. Zweifach-Kombinationen, wie z. B. Wirtschaft und Recht oder Politik-Wirtschaft, funktionieren hingegen recht gut.

Frage: Welche weiteren Ziele verfolgt das Bündnis?
Antwort: Neben der schulischen Verankerung ökonomischer Bildung setzen wir uns dafür ein, dass junge Menschen reale Bezüge zur Arbeitswelt kennenlernen – etwa durch Praktika, Projekte oder Begegnungen mit Akteuren aus Unternehmen und Betrieben. Außerdem fordern wir eine „nationale Strategie für Wirtschafts- und Finanzbildung“. Die OECD empfiehlt nationale Finanzbildungsstrategien und auch in Deutschland wird überwiegend darüber gesprochen. Wir haben einen ganzheitlicheren Ansatz und sind zeitglich anschlussfähig, deshalb die Lösung „nationale Strategie für Wirtschafts- und Finanzbildung“. Die Strategie bündelt bestehende Initiativen, schafft Transparenz für langfristige Ziele.

Frage: Wie arbeitet das BÖB konkret?
Antwort: Unsere Arbeit folgt dem Dreiklang „beraten – kommunizieren – vernetzen“. Wir bringen Akteure zusammen, schaffen Austauschformate, stellen Forschungsergebnisse wie die OeBiX‑Studie zur Verfügung und suchen den Dialog mit Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit. Formate wie die BÖB‑Foren, Aktionen wie die Global Money Week oder unser jährlicher BÖB-Kongress zeigen, wie vielfältig und praxisnah diese Arbeit ist.
Frage: Was möchten Sie pädagogischen Fachkräften und Verbänden mit auf den Weg geben?
Antwort: Ökonomische Bildung ist kein Zusatzthema, sondern Bestandteil moderner allgemeiner Bildung. Sie stärkt Zukunftskompetenzen und fördert die Selbstständigkeit und Mündigkeit junger Menschen. Wir laden alle Akteure im Bildungsbereich ein, diesen Weg gemeinsam mit uns zu gehen, und Erfahrungen zu teilen. 

Interview als PDG

Link:
 Startseite - Bündnis Ökonomische Bildung Deutschland